MZ vom 01.04.2008

Ein Wald voller Wolkenkratzer

Bernd Papke stellt in Alter Kirche aus
Von Andreas Bürkner
Alte Kirche Bad SuderodeBad Suderode/MZ. Was zieht viele Besucher zur Eröffnung einer Ausstellung - das Interesse am Künstler selbst und seinem Bekanntheitsgrad oder die Erwartungen an seine Werke? Die Antwort darauf war beim Start der Schau von Bernd W. Papke in der Alten Kirche in Bad Suderode nicht einfach. Als feinsinniger Plauderer zur Entstehung seiner Bilder überzeugte der 47-Jährige aus Rieder ebenso wie mit den ausgestellten Werken aus drei unterschiedlichen Phasen seines Schaffens.
"Am Rand der Bruchscholle des Harzes aufgewachsen", wie Laudator Bernd Schobeß aus dem Katalogtext von Norbert Eisold zur Schau "Unendlichkeitszeichen" in der Lyonel-Feininger-Galerie 2004 zitierte, hatte sich Papke erst spät für die Kunst entschieden. Nach Schule und Ausbildung arbeitete er trotz Interesses fürs Zeichnen als Werkzeugmacher in Harzgerode, bis er vor knapp 20 Jahren feststellte: "Das kann es doch nicht gewesen sein."

Fortan lebte er seine Empfindungen aus, ab 1988 beim Vorpraktikum in der Glasgestaltung, von 1989 bis 1997 beim Studium und als Meisterschüler an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle und seitdem in seinem Atelier in Rieder. Anfangs noch verschiedene Richtungen ausprobierend, ohne für sich eine klare Linie zu finden, wurde ein einwöchiger Arbeitsurlaub in New York 2001, kurz vor den Ereignissen des 11. September, zum prägenden Erlebnis. Obwohl er kein Faible für Großstädte habe, Heidelberg oder Quedlinburg bevorzuge, inspirierten ihn "die Straßenschluchten, in der die Kirchen viel kleiner sind als die Wolkenkratzer". New York sei einfach anders, "wie ein riesengroßer Wald, in dem es möglich ist, sich zurückzunehmen".

Das Thema Stadt bedeutete eine Wende im Schaffen, Architektur wurde immer mehr zum Mittel - wie die Mischung aus Druck und Malerei. Er wolle in der Schnelllebigkeit von Abbruch und Neubau Momentaufnahmen, bleibende Eindrücke festhalten, bestätigt der Künstler die Freiheit, das Gesehene weiterzudenken.

Ganz andere Emotionen liegen den "Räumen" aus dem Vorjahr zugrunde. Sie entstanden in einer schwierigen Phase, waren Ausdruck der Selbstbeschäftigung. "Was macht man zuerst?", fragte Papke, um selbst die Antwort zu geben: "Man baut Wände, um sich zu schützen - ein Raum entsteht." Mit einer Mischung aus Grafik und Malerei, aus übereinander gelegten Schichten von Holzdruck und Öllasur entstanden die in diesem Jahr fertig gestellten Eindrücke von Land, Wasser und Himmel, angeregt durch Urlaube an der bretonischen Atlantikküste, an die es Papke seit 15 Jahren immer wieder zieht. Die Bilder entwickeln sich Schicht für Schicht, wobei der Druck faszinierender als die Malerei sei: "Weil der Pinselstrich kontrolliert ist, beim Drucken aber die Spannung beim Warten auf das Ergebnis entsteht." Zudem inspirieren Fehler zu neuen Ideen, beschreibt Bernd Papke den Entstehungsprozess, bei dem bis zu 20 Schichten aufgetragen werden.

Die Ausstellung ist bis 9. Mai dienstags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr zu sehen.
 
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