| MZ vom 04.12.09 |
|
Das Auge des Betrachters badet zunächst in Blau- und Brauntönen. Ohne Zweifel stellen die Arbeiten Küstenlandschaften dar, doch der Künstler arbeitet abstrakt, der Schauende muss das Bild im Kopf fertigstellen. Bewusst hält der Maler die Darstellung in einem interessanten Schwebezustand. Auf anderen Bildern kommt der Mensch hinzu, augenscheinlich der Künstler selbst, der Durchbrüche wagt, sich manchmal ducken muss, aber schließlich aufrecht das Meer schauen kann.
Bernd W. Papke liebt die französische Atlantikküste, seit 15 Jahren nimmt ihn die Weite der Landschaft gefangen. "Da fühlt man sich klein und unwichtig, und das ist ein großartiges Gefühl", befindet der 49-jährige gelernte Werkzeugmacher, den es mit 28 Jahren zu einem Kunststudium an der Burg Giebichenstein in Halle drängte.
Gezeichnet haben sowohl er wie auch die älteren Brüder schon immer, der Jüngste fühlte sich stets angespornt. Dann lernte er doch zunächst einen "bürgerlichen" Beruf, die Malerei sollte Hobby bleiben. Aber: Er wollte nicht irgendwann sagen müssen " ... hätte ich doch ..." Ermutigung fand er bei Heino Koschitzki, Dozent an der Burg Giebichenstein, der ihm zeitweise zum Lehrmeister wurde und ihm zur Bewerbung riet. Das Studium fiel in die Zeit der politischen Wende, und der junge Mann, der sich zunächst für Glaskunst interessierte, dies aber bald zu eingeschränkt fand, konnte sich dem zuwenden, was ihn wirklich interessierte: Abstraktion. Sehr bald entdeckte er den Holzschnitt. Die Werke der aktuellen Ausstellung sind zum größten Teil Mischtechniken. Ihre Faszination beziehen sie nicht nur aus der Motivwahl, aus der Kombination von Abstraktem und Realistischem, sondern auch aus der Kombination aus Holzstrukturen und farbiger Lasur.
In mehreren Schichten wird die Farbe transparent aufgetragen, die zuvor aufgedruckte Holzmaserung verliert sich dabei nicht. Im Gegenteil, sie verleiht den Bildern etwas Spannendes, Ungewöhnliches. "Holzstrukturen erzeugen Zufälligkeit. Wenn ich das Papier von der Platte ziehe, dann bin ich direkt ein bisschen aufgeregt, wie es geworden ist", bekennt der Künstler, der vor einigen Jahren eine Einzelausstellung in der Quedlinburger Feininger Galerie gestaltet hatte. Überhaupt hielt er schon als Student eine enge Verbindung zur Quedlinburger Kunstszene, weiß Galerieleiter Christian Amling zu erzählen. Schon damals sei die handwerkliche Präzision der Arbeiten, die sich auch bei den aktuellen Werken zeigt, ein hervorstechendes Merkmal gewesen.
Die Kunst habe ihn in schweren Zeiten getragen, verweist Bernd W. Papke auf mehrere Bilder, die er schlicht "Räume" genannt hat; ein Sinnbild für die menschliche Psyche, ohne den Menschen selbst zu zeigen.
Der in Quedlinburg Geborene ist der Region treu geblieben, lebt mit seiner Frau in Rieder, wo er seit 20 Jahren ein altes Haus ausbaut und es stückweise immer neuer macht. "Aber es wird wohl noch 30 Jahre dauern", lächelt er und beschreibt damit ein zweites Hobby neben der Kunst. |
| weiter > |
|---|